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11.04.2011, 20:00 Uhr | Ems-Zeitung
"Flexibilität ermöglicht Erhalt vieler Schulen"
Kreisrat Winter zu Gast in Aschendorf
Die Schulreform in Niedersachsen hat auch auf die Stadt Papenburg sichtbare Auswirkungen – darin waren sich die Teilnehmer einer Informationsveranstaltung auf Einladung des CDU-Stadtverbandes Papenburg-Aschendorf einig. Referent war Erster Kreisrat Reinhard Winter.
CDU Chef Remmers begrüßt die zahlreichen Gäste auf der Diskussionveranstaltung in Aschendorf

Wie bereits berichtet, gilt als Kernstück der Strukturreform eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen zu sogenannten Oberschulen. Wie Winter ausführte, ist diese Reform von der Landesregierung vor allem aus zwei Gründen angegangen worden: Zum einen wegen der ständigen Diskussion um eine integrative oder mehrgliedrige Beschulung, andererseits aufgrund des dramatischen demografischen Wandels, der auch vor dem Emsland nicht haltmache. Winter: „Anfang der 1990er-Jahre wurden im Landkreis noch 4200 Kinder eingeschult, im letzten Jahr waren es 2603.“

Eine Schulstrukturreform sei daher unumgänglich gewesen, auch angesichts der Tatsache, dass durch die immer geringere Nachfrage für die Hauptschule eine Säule komplett wegzubrechen drohte. „Wir begrüßen die Oberschule, da sie durch ihre äußerst flexiblen Rahmenbedingungen den Erhalt vieler Schulstandorte im Emsland möglich macht“, betonte Winter.

Derzeit gebe es in Niedersachsen rund 460 Hauptschulen und 470 Realschulen. Im Emsland würden sich rund die Hälfte aller Schulen darauf vorbereiten, Oberschule zu werden. Der Landkreis wolle den Standortgemeinden die Möglichkeiten dazu einräumen.

Froh zeigte sich der Kreisrat über die Tatsache, dass die Schülermindestgrenzen für die Oberschulen bis zum Jahr 2015 entgegen anfänglicher Überlegungen auch auf Drängen des Landkreises ausgesetzt würden. „Sonst hätten einige Schulen in der Region ernsthafte Probleme bekommen.“ Für die Stadt Papenburg sei davon auszugehen, dass letztlich drei Oberschulen entstünden, die Heinrich-Middendorf-Schule in Aschendorf sowie die Kirchschule und die Michaelschule in Papenburg. Die Umwandlung Letzterer als Konkordatsschule hänge aber von der Entscheidung des Bistums Osnabrück ab.

Mehrere Teilnehmer der Veranstaltung sahen mit der Einführung der Oberschule in Aschendorf die Diskussion um die Gründung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) als beendet an. „Wir haben endlich Klarheit, was den Fortbestand der Heinrich-Middendorf-Schule angeht, sodass die Phantomdebatte über eine IGS in Aschendorf vorbei ist“, stellte beispielsweise CDU-Ratsherr Friedhelm Führs fest.

Winter ergänzte, dass der IGS durch die Oberschule ein notwendiges Schülerpotenzial von außen abhandenkomme. „Warum sollen die Eltern ihre Kinder für eine längere Strecke in den Bus setzen, wenn das eigene System vor Ort gut aufgestellt ist.“ Selbst eine viel diskutierte Vierzügigkeit als Mindestgrenze einer IGS sei daher als utopisch anzusehen. Man könne beobachten, dass in vielen niedersächsischen Landkreisen die Diskussionen um eine Einführung dieser Schulform ihrem Ende entgegengingen.

Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) zeigte sich optimistisch, dass durch die Reform zwei zentralen Elternanliegen – einerseits gegen eine frühe Selektion, andererseits den Erhalt der Schulstandorte – Rechnung getragen werden könne. Wichtig sei nun ein Schulterschluss aller Beteiligten, um die Oberschule erfolgreich einzuführen.

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