Vermittler für Verhandlungen auf der Werft

Miteinenander statt übereinander reden

24.01.2021, 16:00 Uhr

Die Corona-Pandemie ist als Jahrhundertkrise für die Meyer Werft von existentieller Dimension. Die Lage ist dramatisch und die Zeit drängt: Jeder Tag, an welchem keine Verhandlungen stattfinden, führt dazu, dass der Werftstandort Papenburg in Gänze auf dem Spiel stehen könnte. Umso mehr ist jetzt ein gemeinsames Handeln statt eines Gegeneinanders gefragt, damit in Papenburg dauerhaft hochmoderne Schiffe gebaut werden.

Einfache und pauschale Antworten auf die hochkomplexen Herausforderungen wird es dabei nicht geben. Entscheidend ist Weitsicht und Ganzheitlichkeit, um die Zukunft des Schiffbaus in Papenburg zu sichern. Dass Beschäftigte mit Demonstrationen auf ihre Standpunkte und Sorgen aufmerksam machen, ist richtig und wichtig. Jegliches parteipolitische Kalkül verbietet sich allerdings in dieser ernsten Situation. Es gilt nun gemeinsam bestmögliche Lösungen für die Arbeitsplätze und die Zukunft der dahinterstehenden Familien zu finden.

Übergriffiges Verhalten in das Privatumfeld und verbale Entgleisungen sind aufs Schärfste zu verurteilen. Unbestritten steht für die Familie Meyer seit Generationen die Werft mit ihren tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Papenburg an erster Stelle. Jetzt ein Klima der Angst und Drohungen zu schüren, ist zutiefst erschütternd und hilft nicht. Die Eskalationsspirale muss durchbrochen werden. Es muss verbal abgerüstet und schnellsmöglich zu einer sachorientierten Zusammenarbeit zurückgekehrt werden.Wir Papenburgerinnen und Papenburger erwarten, dass endlich vertrauensvoll an einem ehrlichen Zukunftspaket gearbeitet und Klarheit geschaffen wird.

Wenn dies den Beteiligten untereinander derzeit nicht möglich ist, dann sollte kurzfristig besprochen werden, ob nicht eine von allen anerkannte Person, die sich in Politik und Wirtschaft auskennt, eine Vermittlung übernimmt, um endlich Fortschritte zur dringend erforderlichen Lösung zu forcieren. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, wieder miteinander statt übereinander zu reden.

Öl ins Feuer zu gießen, hat noch keinen Brand gelöscht. Die Meyer Werft kann auch nach der Krise weiter bestehen, aber nur wenn sich endlich alle ihrer Verantwortung bewusst sind. In einem hart umkämpften Kreuzfahrtmarkt geht es natürlich auch um Wirtschaftlichkeit, das kann von niemanden bestritten werden. Es wird einen knallharten Wettbewerb mit staatlich subventionierten Werften aus Italien und Asien um neue Aufträge nach der Krise geben. Einseitige Forderungen und Pokerspiele bringen nichts. Nein, vielmehr tritt dann erst recht der Worst-Case und noch mehr ein. Die Werft und ihre Mitarbeiter sind für innovatives Denken und Handeln bekannt. Der Betriebsrat und die Geschäftsführung müssen sofort wieder an den Verhandlungstisch und eine gemeinsame Lösung finden. Gemeinsam bedeutet auch, zusammen eine ehrliche und langfristige Lösung zu präsentieren – egal wer danach am besten in der Öffentlichkeit dasteht. Es hier um das Schicksal vieler Menschen.

Das aufgeladene Klima zeugt durchaus von Fehlern und zu verbessernder Kommunikation auf beiden Seiten. Die Werft ist unerlässlich für unsere Region. Die hochqualifizierten Fachkräfte sind wichtig für Meyer. Dies weiß auch die Leitung der Werft. Es sollte nicht um die Geschäftsführung auf der einen und die Beschäftigten auf der anderen Seite gehen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft des Schiffbaus als Ganzes. Es geht auch ein Stück weit um die Identität von Papenburg.

Es besorgt mich enorm, dass es mittlerweile durchaus einen Keil innerhalb der Belegschaft geben soll und das obwohl alle im gleichen Schiff sitzen. Die große Mehrzahl der Beschäftigten ist stolz, bei der Meyer-Gruppe zu arbeiten. Vielerorts ist zwar eine immense Sorge zu vernehmen, aber auch die Hoffnung auf eine doch noch gute Lösung. Die Chance auf den Erhalt von Arbeitsplätzen ist da, sie muss nun endlich ergriffen werden. Entlassungen sind dabei immer die letzte Maßnahme, vielmehr muss an kreativen Lösungen wie Weiterbildungen und Vorruhestandsregelungen gearbeitet werden.

Wir wünschen uns für ein starkes Papenburg eine wieder erstarkte Werft. Zukunftsfähig in allen Belangen, um auch nach der Krise als starker Wirtschaftsfaktor der Region agieren zu können.